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Sowas musste ja mal passieren.

Heute Abend beim Abendessen. 2 Herren kommen immer etwas später (was dafür sorgt, dass ich eine halbe Stunder später Schluss habe), ich bringe ihnen dann immer das Essen.

Heute war es so, dass ich die Teller in der Abwesenheit eines der Herren (ein befehlsgewohnter Mann, den ich nicht mögen würde, hätte ich engeren Kontakt mit ihm) abgeräumt habe (der andere ist blind). Ich räumte alles in die Spülmaschine und freute mich auf meinen baldigen Feierabend. Dann kam Herr R. und fragte mich, wo seine Tabletten seien. Ich sagte ihm, da waren keine, alles ist jetzt in der Maschine. Er wurde agressiv, und bestand darauf, seine Tabletten noch nicht genommen zu haben. Mit einem mulmigen Gefühl ging ich zu der Kollegin, und schilderte ihr den Vorfall. Ich war imr ziemlich sicher, dass keine Tabletten mehr da waren (ich habe hinterher noch überall geschaut, im Tablettendöschen waren sie garantiert nicht mehr. Wenn sie noch irgendwo gewesen wären, hätte ich hören müssen, wie sie irgendwo gefallen wären, denke ich), und sie nahm das so hin. Sie erklärte dem Herren, dass sie keine 2. Portion stellen könne, weil es Aussage gegen Aussage stünde. Eine möglicherweise doppelte Ration könne sie nicht verantworten. Herr R. wurde wild, sagte, dass ihn das in 2 Jahren noch nicht passiert sei, und er doch kein Kind mehr ist, dass mehr Tabletten will, als gut für ihn ist. Ich hab es ihm geglaubt (und hätte ihm in meinem Schaf- sein sie einfach nochmal rausgegeben) aber sie blieb eisern. Als sie weg war, sagte er, ich hätte zugeben müssen, dass ich falsch lag und dass ich das nicht wieder gut machen könne. Herrje! Ich entschuldigte mich demütigst, aber sagte ihm, dass ich auch nichts anderes sagen könnte, als das, was ich halt denke.

Mein Gewissen habe ich einigermaßen beruhigen können (da ich mir ja wirklich sicher bin, dass ich sie nicht weggeworfen habe) aber ich habe trotzdem Angst. Er wird mich terrorisieren. Mich herumkommandieren, und allen Leuten davon erzählen. Abends wird er zu den Leuten gehen, und sagen, dass ich die Tabletten nicht anfassen darf, ich kann das nicht, oder so. Klar müsste ich darüber stehen, eigenltich tue ich das auch. Schließlich benimmt er sich da wie ein kleines Kind, falls es wirklich so geschehen sollte. Aber unangenehm wird es trotzdem werden, ich glaube nämlich, dass er sehr nachtragend ist. Außerdem werde ich jedem den Vorfall nochmal erklären müssen. Vielleicht hätte ich wirklich zugeben sollen, ich hätte sie weggenommen, dann wäre mir der Ärger erspart geblieben. Ob er es vergessen haben konnte?Immerhin ist er nicht mehr jung. Aber eine 2 Jahre alte Gewohnheit sitzt doch eigenltich schon zu tief, oder? Ich weiß es nicht.

Wenn ich also eines gelernt habe, dann, dass alte Leute in ihren Gewohnheiten nicht gestört werden dürfen. Niemals!

 

Edit: Mir brennt noch etwas auf der Seele. Die etwas rüdere Pflegerin, die ich einen Eintrag zuvor erwähnt habe, hatte heute wieder Spätdienst. Sie war auch diejenige, die Herr R. keine 2. Tablette stellen wollte. Wir haben eine auf der Station, die sich kaum noch bewegen kann, und mit einer Spritze, die man ihr in den Mund führt, ernährt werden muss. Heute Abend war es wieder soweit. Sie hat ihr die Nahrung angereicht, war aber unglaublich ungeduldig und ungehalten. Sie hat gestöhnt, und ihr gesagt, dass sie sich nicht so benehmen solle (sie hatte den Mund wohl nicht aufgemacht, oder so, ich konnte es nicht sehen) und war halt ungeduldig. Auf der einen Seite konnte ich sie verstehen, aber ich habe inzwischen gelernt, dass man gerade zu solchen Leuten nett und nachsichtig sein muss, sie können schließlich nichts für ihr Verhalten. Sie sind es doch, die am meisten darunter leiden. So viele würden gerne sterben ... Mich hat es zu Tränen gerührt, als ich mir vorgestellt habe, wie es der armen alten Dame gehen musste, sie bekommt nämlich noch alles mit (sie kann aber nicht sprechen). Und in der Pflege erst! Das bekomme ich ja nicht mit, aber sind sie da genauso ungeduldig? Es tut mir so schrecklich leid. Wenn ich Charakter hätte, würde ich zu ihr hingehen, und ihr meine Denkweise erklären. Aber .. Ich weiß nicht, wäre das unkollegial? Sie macht ja sonst alles richtig, und ihr Verhalten bei den Tabletten hat mir ein wenig Respekt ihr gegenüber verschafft. Zumindest stelle ich mir das unter verantwortungsvollem Handeln vor. Aber diese armen Leute .. Sie haben doch nichts anderes, als die Freundlichkeit ihrer Pfleger. Andere sind auch herzallerliebst, unglaublich nett und mit Engelsgeduld ausgestattet. Menschen sollten nicht den Launen und der Willkür anderen ausgeliefert sein. Zumindest nicht, wenn es Schutzbefohlene sind. Deswegen bin ich auch ein wenig froh, dass Herr R. so reagieren kann. Er wird mich zwar in alle Ewigkeit hassen, aber er ist Herr seiner selbst, und das gönne ich ihm von Herzen, auch wenn es sich schmalzig anhört. Er soll sich ruhig wehren, selbst wenn es unberechtigt sein sollte, solange er noch kann.

Ich weiß nicht. Mein Gewissen will keine Ruhe geben. 

21.9.06 20:14
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Kat (21.9.06 20:37)
Also ... zunächsteinmal, ich denke nicht, dass du ein schlechtes Gewissen haben musst, denn du bist dir sicher, die Tabletten nicht weggeworfen zu haben, nicht? Und auch wenn man Geschirr in die Spülmaschine räumt, man sieht ja, wenn was runter fällt. Man sieht eigentlich auch, was auf dem Teller liegt, es sei denn er ist voller Servietten oder sowas.
Deswegen, lass mal. Ich denke, der alte Mann hat einfach überreagiert; ist natürlich blöd, dass du das grade abbekommen hast, aber naja... soweit ich das mitbekommen hab, können alte Leute auch sehr stur sein. Also mach dir keine Sorgen. Du wirst ja sehen, wie er künftig auf dich reagiert - und die anderen werden dich schon weiterhin mögen, wenn du nett zu ihnen bist, egal was er ihnen sagt. Mja. Also zerbrich dir nicht den Kopf deswegen.

Was den anderen Fall angeht ... Menschen gehen wohl auf verschiedene Arten und Weisen mit sowas um. Einerseits hängt das natürlich vom Charakter ab, und davon, wie der- oder diejenige denkt, mit dem anderen umgehen zu müssen/zu können, andererseits wirken sich schon auch Launen auf sowas aus.
Du kannst natürlich mit der Pflegerin reden, wenn du ein gutes Verhältnis zu ihr hast. Der Ton macht die Musik und wenn du sie nicht grad anpöbelst, wird sie dir sicher nicht den Kopf abreissen ... andererseits musst du natürlich auch bedenken, wie du auf sie wirken könntest. Vielleicht denkt sie ja, du bist zu lasch zu den Patienten - was nicht heissen musst, dass du es bist, aber eure Sensibilität ist eben eine andere. Und ich vermute, sie weiß was sie tut. Wenns dir öfter auffallen sollte, dass sie so "hart" mit Menschen umgeht, die, wie ich auch finde, ein wenig mehr Feingefühl verdienen, kannst du sie ja drauf ansprechen. Aber vielleicht hatte sie einfach einen schlechten Tag oder mit entsprechender Dame schonmal Probleme gehabt.

Nicht gleich den Teufel an die Wand malen, denn das meiste regelt sich mit der Zeit von selbst. =) Und reden kann man mit den Leuten immer, auch mit einem befehlsgewohnten Mann.


Buchsbaeumchen (21.9.06 21:10)
Ja, es klingt so logisch was du sagst, und es stimmt auch. Es fehlt mir gerade wohl die nötige Distanz, irgendwie wird es schon werden.

Ich kann nur wirklich hoffen, dass er das Ganze irgendwann ruhen lässt ... Und dass ich mich ihm gegenüber nicht im Ton vergreifen werde, sollte er tatsächtlich anfangen sich wie ein Kind zu benehmen. Naja. Schluck.

Danke

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